Dieter Schmidt stellt im „Hafeneck“ seinen neuen Mainz-Krimi
„Der Hund vom Lerchenberg“ vor
Mainz. Doktor Neumüller, frisch gebackener Programmdirektor einer großen
Fernsehanstalt, schenkt seiner Geliebten einen Yorkshire-Terrier. Und Barbie,
an allen relevanten Stellen silikonverstärkt, liebt den Hund bald mehr als
ihren Programmdirektor. Dumm nur, dass Ken, der niedliche Terrier, vom
verrückten Markus entführt wird. Da wird es höchste Zeit für Karl Napp,
„Meenzer Hutsimpel, Privatdetektiv und Nullfümfer-Fan“, seinen vierten Fall zu
lösen.
Dieter Schmidt präsentierte im Hafeneck mit seinem neuen Krimi „Der Hund vom
Lerchenberg“ wieder mal ein Buch, das zarten Lesern nur ein Graus sein kann.
„Es schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe“, erzählt der Autor. „Es ist
relativ schnell gelesen, vorne sind bunte Bildchen, damit man sich die
holzschnittartig gezeichneten Charaktere besser vorstellen kann, und es ist in
Schriftgröße 12 gedruckt.“
Unter den Regionalkrimis sind die Napp-Romane sicher die eigenwilligsten
Produkte. Und unter den Mainzer Kneipen ist das Hafeneck genau der richtige
Ort, um solche Werke vorzustellen. Verraucht und eng ist’s, Gäste kommen und
gehen, rufen gern mal was dazwischen, von andächtiger Stille keine Spur. Genau
in dieser Atmosphäre fühlt sich auch Karl Napp am wohlsten: Just im Hafeneck
feiert der Meisterdetektiv den Aufstieg von Mainz 05, nachdem ihn seine Frau
Erna mit dummen Fragen vom Fernseher vertrieben hat: „Saach emol, der Kloppo!
Schtimmt dess, dass der soi Fraa wesche some junge Blondsche verlasse hat?“
Versierte Kneipengänger bescheinigen der Szene höchste Authenzität.
Wie immer spielt der zu lösende Fall nur eine Nebenrolle. Schmidt ist viel zu
sehr damit beschäftigt, eigenartige Typen vorzustellen, die ständig in
abstruse, obszöne oder urkomische Szenen hinein-schlittern. Dabei gelingt ihm
Barbie so herrlich doof, der verrückte Markus absolut wahnsinnig und die
Handkäsmafia derart Määnzerisch, dass die Lesung zum Riesenspaß wird. Schmidt
führt seine überzeichneten Figuren mit Wonne vor. Barbie piepst,
Fleischworschttoni brummt, und Karl Napp macht tiefsten seelischen Nöten in
einem einzigen Wort Luft: „Hhhhggggnnnnaaaarrrrhhhhh!“
Dieter Schmidt, Jahrgang 65 und wohnhaft auf der anderen Rheinseite in Kastel,
besteht darauf, dass viele seiner Helden reale Vorbilder haben. Sowohl Barbie
als auch Markus soll es tatsächlich geben. Dafür ist natürlich das ZFD, das
Zweite Fernsehen Deutschlands, die „irre Anstalt“, frei erfunden.
Das Titelbild zum Buch zeichnete MRZ-Karikaturist Klaus Wilinski – und er
packte alles rein, was Schmidts Krimi auszeichnet: einen „Nullfümfer“-Schal,
daneben einen BH, Alkoholisches vor einem Fernseher und dazu einen schamlos ins
Bild pullernden Köter. Wer lieber Hochgeistiges liest, der möge zu einem
anderen Buch greifen. Für den Rest wird „Der Hund vom Lerchenberg“ ein großes
Lesevergnügen sein.
Gerd Blase, Mainzer Rheinzeitung, 14.12.05
Dieter Schmidt stellt seinen neuen Napp-Krimi vor
Ink. „Die schlanken, aufregenden, Samba tanzenden, brasilianischen
Stripper mit Waschbrettbäuchen in viel zu kurzen, durchsichtigen, seitlich
geschlitzten Kittelschürzen, um nackisch auf allen Vieren vor uns die Böden zu
schrubben ...“ - Ja? Erwartungsvolle Blicke im Hafeneck-Publikum. „... können
leider nicht kommen“, vollendet Dieter Schmidt einen Satz. Hauptsache der
Krimiautor hatte den neuen „Karl Napp“ mit am Start.
In seinem vierten Fall „Der Hund vom Lerchenberg“ muss sich der Mainzer
Hutsimpel-Detektiv mit der irren Anstalt ZFD herumplagen. Wer hat das goldisch
Hundsche von Barbie, der Freundin des nutzlosen Programmdirektors geklaut?
Mitten in den Aufstiegsübersommer 2004 pflanzt der Kasteler die Handlung und
seine Figuren feiern und schwitzen, bis es aus allen Poren dampft. Wie auf
Kommando betritt ein neuer Gast die Kneipe, als Schmidt gerade die Stelle
vorliest, in der sein fußballguckender Feinripp-Held maulend soi Mudder
begrüßt: „Setz disch, nimm der ä Schtück Quetschekuche unn halt de Ball flach!“
Langsam und unaufgeregt lässt Schmidt seine Hämmer fallen. Mainz unscensored,
der 41-jährige verlegt seine Bücher selbst. Die Ähnlichkeit mit bekannten
Persönlichkeiten und Begebenheiten in der Domstadt sind der Hauptspaß und die
Anwesenden können sich auf ein Wiedersehen mit der Handkäsmafia und all den
anderen Dollbohrern und Urrumpeln freuen.
Mainzer Allgemeine Zeitung, 14.12.05